Jede Generation muss sich selber wieder neu erzählen, wer sie ist. «Tag am Meer» ist die Geschichte von Dave - der soeben dreissig wird. Es ist aber auch ein Porträt der Menschen um Dave herum, der Stadt Zürich, durch die er streift, und der Zeit, in der er lebt.

Während der Arbeit an «Tag am Meer» bin ich selber dreissig geworden - es ist ein Lebensabschnitt, in dem einem das Vergehen des Alten und das Entstehen von etwas Neuem besonders bewusst werden. Wie jede Generation vor und nach uns haben ich, der Protagonist Dave und unsere Altersgenossen dabei mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen.

Vielleicht wurden die Menschen noch nie so spät erwachsen wie in unserer heutigen westlichen Gesellschaft. Während unsere Eltern oft bis Mitte zwanzig schon Familien gründeten und einen Berufsweg einschlugen, der sich bis zum Horizont des Lebensabends erstreckte, gilt es heutzutage, den Lebensstil der süssen Unverbildlichkeit möglichst lange auszukosten. Neu entstandene Ideen und Werte wie das «lebenslange Lernen» oder der «Lebensabschnittspartner» versprechen uns dabei, die Freiheiten der Jugend nie aufgeben zu müssen - und bergen zugleich die Gefahr, dass wir für immer Kinder bleiben, dass wir ersticken an den endlosen Möglichkeiten, in denen wir dahin treiben.

Mit beschränktem Budget und engem Zeitrahmen war der Dreh von «Tag am Meer», einem Erstlingswerk noch dazu, eine doppelte und dreifache Herausforderung. Hochkonzentriert hat ein kleines, fantastisches Team im Sommer 2007 vier Wochen lang bis zur Erschöpfung gearbeitet; auf unserem kurz-Ausflug nach Italien waren wir sozusagen 36 Stunden ohne Unterbruch am Drehen. Herausgekommen ist, so glaube ich, ein sehr unverkrampfter, lebensnaher Film, ein wenig nachdenklich, aber auch heiter und zuversichtlich. Denn Dave und ich, und wir alle, wir sind nicht zuletzt auch eine glückliche Generation. Es spielt die Musik und der Sommer ist heiss...

Moritz Gerber